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Vorwort zur Suchfibel

Dr. Detlev Kalb:

"Wer sucht, der flucht", betitelte kürzlich ein deutsches Online-Magazin einen Bericht über Internet-Suchmaschinen. Diese Formulierung beschreibt die Erfahrung vieler Internet-Surfer wohl recht zutreffend, verschweigt aber zugleich eine wesentliche Ursache dieses Phänomens: Die allermeisten Nutzer von Internet-Suchmaschinen beherrschen die Kunst des Suchens nicht oder nur unzureichend.

Die Kunst des Suchens, von der das vorliegende Buch handelt, hat einige Gemeinsamkeiten mit der Kunst des Fliegens. In beiden Fällen geht es darum, Wege in wenig strukturierten Räumen zielgerichtet und möglichst schnell zurückzulegen (hier im Luftraum, dort in einem virtuellen Raum, dem Cyberspace). Und in beiden Fällen geht das nur mit Hilfe relativ komplexer Maschinen. Es genügt jedoch nicht, wenn man seine Maschine lediglich richtig bedienen kann. Dies ist zwar die Voraussetzung dafür, daß man überhaupt in die Luft kommt, bringt einen aber nicht unbedingt seinem Ziel näher. Um dieses verläßlich zu erreichen, muß man auch navigieren können, und das wegen der vorherrschenden Sichtbedingungen möglichst im Blindflug.

Während aber nun niemand auf die Idee käme, sich ohne gründliche Ausbildung auf den Pilotensitz eines Flugzeugs zu setzen und einfach loszufliegen, scheint in der Netzgemeinde die Ansicht vorzuherrschen, daß jedem Surfer die Fähigkeit, eine Suchmaschine richtig bedienen und für eine optimale Recherchestrategie einsetzen zu können, sozusagen als natürliches Talent in die Wiege gelegt worden sei. Daß dies offensichtlich nicht so ist, belegt nicht nur das obige Zitat. Jeder, der Zugang zu den Log-Dateien einer Internet-Suchmaschine hat, kann ein mehr oder minder fröhliches Lied davon singen. Entwickler und Betreiber von Suchmaschinen arbeiten deshalb ständig daran, ihre Dienste so komfortabel und narrensicher wie möglich zu machen, aber dem sind technische und strukturelle Grenzen gesetzt. Es führt also kein Weg daran vorbei: Wer im Internet fündig werden will, muß die Kunst des Suchens lernen.

Mit dieser Problematik beschäftigt sich seit längerem der Fotograf und Webdesigner Stefan Karzauninkat. Was als Liebhaberei eines talentierten Autors unter dem Titel "Die kleine Suchfibel" begann und sich zwischenzeitlich zu einer oft rezensierten und mehrfach ausgezeichneten professionellen Website von beträchtlichem Umfang gemausert hat, erhält nun mit der Drucklegung die finalen Weihen unserer Printkultur. Dies ist bemerkenswert. Während Bibliotheken und Verlage massenhaft digitalisierte Fassungen von Druckerzeugnissen ins Internet stellen, ist der umgekehrte Fall eher rar. Allerdings wird sich mancher Netizen fragen, ob dieser Schritt vom Cyberspace in die Gutenberg Galaxis nicht in Wahrheit ein Rückschritt sei, zumindest aber ein unnötiger. Wozu ein Buch kaufen, wenn man es online im Web lesen kann, auf einen Klick? Ich glaube, dafür gibt es einige gute Gründe.

Obwohl ich die Online-Ausgabe der Suchfibel (www.suchfibel.de) seit ihren Anfangstagen kenne und sie schon dutzendfach besucht habe, ist es mir bis heute nicht gelungen, dort alle Seiten zu lesen. Dies liegt nicht nur daran, daß die Website kräftig gewachsen ist und Stefan Karzauninkat regelmäßig neue Seiten hinzufügt und bestehende aktualisiert. Es liegt vor allem daran, daß der Bildschirm kein optimales Medium für längeres Lesen ist. Dies ist nicht nur zu anstrengend, sondern auch zu teuer. Denn während man liest und blättert, ticken im Hintergrund die Gebührenzähler der Telefongesellschaft und des Zugangsproviders. Hier ist die gedruckte Version der Suchfibel nicht nur wesentlich komfortabler, sondern auch wesentlich preisgünstiger. Einmal gekauft, kann man sie beliebig oft und lange nutzen, ohne daß dadurch zusätzliche Kosten entstehen. Und man kann sie unabhängig von Stromzufuhr und Internet-Zugang an jedem beliebigen Ort lesen, im Bad, in der Bahn, im Bus, im Bett und im Urlaub am Strand. Sie wird damit gleichzeitig für Menschen nutzbar, die (noch) keinen Online-Anschluß haben, sich aber trotzdem über das Internet informieren möchten.

Natürlich hat die Online-Version gegenüber dem Buch auch eine Reihe von Vorteilen, die vor allem in der Interaktivität des Mediums Internet liegen. Unnötig zu erwähnen, daß die Suchfibel in der Online-Version selbst suchbar ist. Dies erleichtert nicht nur das Auffinden von Informationen und Textpassagen, sondern eröffnet einen völlig neuen Zugang zum Werk. Denn natürlich sind die einzelnen Seiten der Online-Version verlinkt, und zwar nicht nur untereinander, sondern dem Grundprinzip des Internets folgend auch mit allen externen Seiten, auf die Bezug genommen wird, insbesondere auch mit den vorgestellten Suchmaschinen. Man kann deshalb alles, was man gerade gelesen hat, sofort und unmittelbar ausprobieren. Dies ist allerdings ein weiterer Grund dafür, daß man die Online-Version praktisch nicht durchlesen kann, nur durchsurfen. Durchlesen kann man allein das Buch. Wer also einen fundierten und systematischen Einblick in die Thematik bekommen möchte, wird die gedruckte Fassung begrüßen.

In der Kombination von Buch und Website, von Buchstaben und Bytes, kurz: in ihrem multimedialen Charakter, liegt deshalb das vielleicht stärkste Alleinstellungsmerkmal von Stefan Karzauninkats Suchfibel. Die gedruckte Fassung als Grundlage, zum Nachschlagen und Nachlesen insbesondere komplexerer Zusammenhänge, die Online-Fassung zum Üben und Ausprobieren und zur Information über die neuesten Entwicklungen. Damit ist man für eine erfolgreiche Suche im Internet bestens gerüstet.

Dr. Detlev Kalb

Projektleiter Fireball

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