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Erfahrungen, Tips und Tricks aus einem Seminar zum Thema "Net Search zur Unterrichtsvorbereitung."

von Arne Steuer

Kennen Sie den Bahnhof mit dem längsten Namen? Im Unterrichtswerk "Green Line new 3", das beim Ernst-Klett-Verlag für den Englischunterricht in der Klasse 7 an Gymnasien erschienen ist, finden Sie ihn auf Seite 45: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch. Könnten Sie das, wenn Sie Englisch unterrichten, Ihren Schülerinnen und Schülern in korrekter walisischer Aussprache vorlesen? Kennen Sie die Bedeutung der einzelnen Silben und des gesamten Wortes? Nein? Kein Problem mehr für die 18 Lehrerinnen und Lehrer aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg, die am 26. September 1998 am Seminar "Net Search" des Ernst-Klett-Verlages (Treffpunkt Hamburg) teilnahmen.

Vom "Meer der Informationen" zum "Mehr an Information" durch effiziente Suche im Internet - das war das Thema dieses Seminars, das in den Räumen der Universität der Bundeswehr Hamburg stattfand. Anhand konkreter Beispiele aus dem neuen Unterrichtswerk Green Line new wurde der gezielte Umgang mit verschiedenen Suchhilfen im World Wide Web (WWW) demonstriert und vor allem praktisch erprobt. Ziel war es dabei, aus dem Internet aktuelle Informationen zu erhalten, die

  • den Unterricht mit dem Lehrbuch sinnvoll ergänzen,
  • nicht oder viel schwieriger auf herkömmliche Weise (Büchereien, Telefonate etc.) beschafft werden können,
  • zu Kontakten in englischer Sprache führen können.

Durchgeführt wurde das Seminar von Dr. Stefano Ianigro und dem Autor. Beide sind am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik an der Universität der Bundeswehr Hamburg tätig und verfügen über langjährige Erfahrung im effizienten Umgang mit dem Internet.

Um nicht im Meer der Informationen des Internet zu ertrinken, ist es vor einer Recherche besonders wichtig, die vermeintlich trivialen Fragen "Was suche ich eigentlich?" und "Wer könnte ein Interesse daran haben, die gesuchten Informationen anzubieten?" möglichst genau zu beantworten. Erst dann sollten - falls es erforderlich ist - die zahlreichen Suchhilfen des Internet bemüht werden.

Sehr hilfreich für eine Recherche ist Wissen über den Aufbau des Internet und die Systematik der Ressourcenadressierung mittels des Uniform Resource Locators (URL). Lehrerinnen und Lehrer, die damit vertraut sind, wissen, daß WWW-Adressen in Großbritannien meistens mit "uk" enden. Diese Endung wird als Top-level-Domain-Kennung bezeichnet. Sie wird weiter unterteilt: Britische Regierungsorganisationen haben meist Web-Adressen mit der Endung "gov.uk", Firmenadressen enden auf "co.uk" und Bildungseinrichtungen adressieren Ihre WWW-Seiten mit der Endung "ac.uk". Um beispielsweise herauszubekommen, ob die britische Küstenwache aktuelle Hintergrundinformationen mit Bezug zu den Inhalten des Unit 5 aus Green Line new 3 im WWW bereithält, führt der URL http://www.coastguard.gov.uk zum Erfolg. Ähnlich funktioniert es beim British Museum ( http://www.british-museum.ac.uk) und bei den Londoner Verkehrsbetrieben (http://www.londontransport.co.uk).

Mit etwas Kenntnis der Adressierungssystematik können die WWW-Adressen einiger Anbieter so durch intuitive Suche gefunden werden. Das spart Zeit und Telekommunikationskosten, weil nicht erst eine Suchhilfe bemüht werden muß. Zudem gibt der URL Aufschluß über die Herkunft der Informationen, die wiederum Rückschlüsse auf die Informationsqualität zuläßt.

Schlägt die intuitive Suche mehrmals fehl (der WWW-Browser signalisiert dies unmißverständlich durch die Fehlermeldung, daß die gewünschte Ressource nicht gefunden werden konnte) oder sucht man nach spezielleren Informationen, kommt man nicht an einer Suchhilfe vorbei. Zu jedem Internet-Dienst (außer Telnet) gibt es spezielle Suchhilfen:

Dabei sollte der Grundsatz gelten: Lieber wenige Suchhilfen beherrschen kennen als viele nur oberflächlich kennen.

Entsprechend lautet die nächste Aufgabe, die mit dem WWW gelöst werden soll: "Schauen Sie sich Unit 1 und den Workshop B in Green Line new 4 an. Dort wird der Ort Issaquah im U.S.-Bundesstaat Washington und die dortige High School beschrieben. Wie ist dort jetzt das Wetter? Welche Arbeitsgemeinschaften und Kurse werden derzeit an der Issaquah High angeboten? Welche Freizeitmöglichkeiten bietet der Ort? Gibt es einen Stadtplan?" - typische Fragen, mit denen der Lehrbuchinhalt durch Informationen aus dem Internet sinnvoll ergänzt werden könnte. Und eine Aufgabe für Yahoo, den größten hierarchischen Suchbaum. Die Fragestellungen lassen sich nämlich in eine sinnvolle Hierarchie einordnen, nach der auch in der amerikanischen Version von Yahoo bis zu den Antworten navigiert werden kann:

Regional - U.S. States - Washington - Cities - I - Issaquah. Und von dort weiter Richtung Wetter, Schulen, Stadtplan. Vom Allgemeinen zum Speziellen - das ist das Prinzip, mit dem sich in hierarchischen Suchbäumen sehr schnell Verweise auf die gesuchten Informationen finden lassen.

Zurück nach Wales. Mit Hilfe dieser regionalen Hierarchie könnte prinzipiell auch die Frage nach der korrekten Aussprache und der Bedeutung des Stationsnamens beantwortet werden. Aber: Zu kompliziert. Stellen wir Alta Vista doch lieber direkt die Frage: "How to say Llanfairpwllgwyngyll?"

Sehr schnell erscheint eine Liste von Hyperlinks: Etwa 4,8 Millionen Verweise! Diese muß man jedoch keineswegs alle auswerten. Man muß sich nicht einmal von dieser Zahl beeindrucken lassen. Die Suchmaschine priorisiert nämlich systematisch die gefundenen Verweise nach der größten geschätzten Übereinstimmung mit der Anfrage und platziert Seiten, in denen die meisten Stichwörter der Anfrage vorkommen, ganz oben auf der Trefferliste. Gleich der erste Verweis scheint ein Volltreffer zu sein: Es geht auf eine Seite, die Silbe für Silbe die Aussprache und Bedeutung des Wortes erläutert. Das Internet gilt als multimedial. Erfreulicherweise gibt es hier auch eine Sounddatei mit der korrekten Aussprache, die heruntergeladen werden kann. Mit der entsprechenden Erweiterung (Plug-in) des WWW-Browsers, einer Soundkarte und am PC angeschlossenen Lautsprecherboxen lassen wir uns den Stationsnamen vorlesen. Und das - einmal heruntergeladen - mit computertypischer Ausdauer und Geduld.

Zugegeben: Die bisher gefundenen Ressourcen sind echte Glückstreffer, und die dort gebotene Informationsqualität ist keineswegs typisch für das Internet. Es zeigt sich aber, daß sich mit dem entsprechenden "Gewußt wie" durchaus schnell brauchbare Informationen auffinden lassen.

Das Internet eignet sich auch zur Kontaktanbahnung. Sei es, für E-Mail-Projekte oder nur für kurze Fragen an einen Experten. Zum Beispiel an Leute, die sich für keltische Kultur interessieren oder in diesem Gebiet wissenschaftlich arbeiten. Oder an ehemalige Schülerinnen und Schüler der Issaquah High. Nur: Wie kommt man an entsprechende E-Mail-Adressen? Dies leisten im Internet die E-Mail-Register, die darauf spezialisiert sind, E-Mail-Adressen herauszufinden. Bevorzugt sind dort Adressen in den USA verzeichnet, da die E-Mail-Register meist dortigen Ursprungs sind. Bei einer Kontaktaufnahme per E-Mail ist die Netiquette unbedingt zu beachten. Im Gegensatz zur herkömmlichen Post ist nämlich die E-Mail auch für die Empfänger meist mit Kosten verbunden. Es fallen für Empfänger mindestens Telekommunikationskosten für die Abholung der E-Mail beim Provider an. Mit einer knappen, höflichen Nachricht, die auch einen Hinweis enthält, wie der Absender an die E-Mail-Adresse gelangt ist und das Anliegen oder Interesse kurz schildert, macht man aber kaum etwas falsch. Vorausgesetzt, es schickt nicht die ganze Klasse einzelne E-Mails an eine einzige Adresse ...

"Hat Bill Clinton eigentlich eine eigene Homepage im Internet?" Die Antwort findet eine spezielle Homepage-Suchhilfe: Ahoy! (http://ahoy.cs.washington.edu:6060/ ). Also rasch eingegeben: Given Name: William, Family Name: Clinton, Organization: White House. Gleich das erste Ergebnis ist ein Treffer und verweist direkt auf die offizielle Homepage des Präsidenten. Die als Beigabe gefundene E-Mail-Adresse ist allerdings unbrauchbar. Hier wurde die Suchhilfe offenbar etwas in die Irre geführt. Die richtige Mail-Adresse wird erst gefunden, wenn man als Vornamen "Bill" eingibt: president@whitehouse.gov . Dafür findet Ahoy dann nicht die offizielle Homepage des Präsidenten, sondern nur die von Privatpersonen und Firmen, die etwas zur Person Bill Clintons mitzuteilen haben. Diese Quellen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Etwas Erfahrung und vor allem die Kenntnis der Adressierungssystematik hilft aber auch hier weiter.

Die Usenet News sind die weltweiten, themenbezogenen Diskussionsforen im Internet. Aus ihnen läßt sich eine Menge über die Netzgemeinde und ihre Meinungen herausfinden. Schülerinnen und Schüler können sich beteiligen, indem sie News-Beiträge anderer auswerten oder kräftig mitdiskutieren. Da die Verkehrssprache in den Usenet News überwiegend Englisch ist, erfolgt die Anwendung der Fremdsprache quasi wie selbstverständlich nebenbei. Gibt es beispielsweise Diskussionen in den Usenet News zum Thema "violence at school" oder "gangs", die in den Unterricht einbezogen werden können? Dies läßt sich mit der Suchhilfe "Deja News" herausfinden. Diese ist - ähnlich wie Yahoo - hierarchisch organisiert, verfügt aber auch über die Möglichkeit der Stichwortsuche.

Beginnen wir in der Hierarchie bei "education", spezialisieren uns auf den Bereich "K-12" und starten dort eine Stichwortsuche nach den gesuchten Themen, zeigt Deja News als Ergebnis Verweise auf News-Artikel an, in denen das gesuchte Stichwort vorkommt. Ferner wird der Name der Newsgruppe angezeigt, in der der Artikel veröffentlicht wurde. Nun steht einer Nutzung der Usenet News wenig im Wege. Mit Deja News können fremde News-Artikel gelesen und eigene veröffentlicht werden. Tip: Vor der ersten aktiven Beteiligung an Diskussionen sollten Stimmung und Gesprächsniveau der angepeilten Newsgruppe gründlich studiert werden. Also: Erst lesen, dann in einer thematisch passenden Newsgruppe veröffentlichen. Immerhin hat ein veröffentlichter Artikel ein weltweites Publikum. Da sollte man wissen, worauf man sich einläßt. Nicht wundern: In den Usenet News reicht das Niveau von übelster, unsachlicher Polemik bis hin zur Expertendiskussion neuester wissenschaftlicher Forschungsergebnisse. Orthographie und Grammatik sind nicht immer lehrbuchreif. Dafür kann man "real life" im Internet erleben.

Zur Recherche im Rahmen der Unterrichtsvorbereitung und für die anspruchsvolle Projektarbeit eignet sich besonders die kleine, aber feine Suchhilfe "Argus Clearinghouse". Im Gegensatz zu allen anderen Suchhilfen sind nämlich hier die Quellen, auf die das Clearinghouse als Suchergebnis verweist, vorab durch ein Redaktionsteam beurteilt worden. Neben dem Hyperlink auf die Ressource gibt diese Suchhilfe also auch zuverlässige Hinweise auf die Informationsqualität. Dies ist von unschätzbarem Wert, will man es vermeiden, sich stundenlang unter hohem Kostenaufwand durch Informationsmüll zu klicken, bevor hochwertige Informationen gefunden werden. Das Argus Clearinghouse funktioniert ähnlich wie Yahoo. Es findet allerdings längst nicht zu allen Themen auch Ergebnisse. Wenn es jedoch etwas findet, ist die Qualität der Informationen überdurchschnittlich gut. Probieren Sie es aus an einem Beispiel, das Green Line new 4, Unit 4 ergänzen kann: Environmental pollution.

Die effizientere Alternative zum "Surfen", dem ziellosen Umherschweifen im Internet, lautet also "navigieren" im Meer der Informationen. Probieren Sie es aus!

Anschrift des Verfassers:

Arne W. Steuer arne.steuer@unibw-hamburg.de Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik Universität der Bundeswehr Hamburg Holstenhofweg 85 Phone: +49 (0)40/6541-2404 D-22043 Hamburg Fax: +49 (0)40/6541-2780

"Mit freundlicher Genehmigung des Ernst Klett Verlages Stuttgart, (c) close-up Frühjahr 1999"

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