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Zur Inflation der Metasuche
Dr. Wolfgang Sander-Beuermann
Metasuchmaschinen sind in der Tat momentan "in". Der Grund ist einfach: es erfordert relativ wenig Aufwand,
etwas zu installieren, was sich Meta-Suchmaschine nennen darf. Derartige Namen sind ja schließlich nicht gesetzlich geschützt.
Schaut man dann allerdings genauer hin, bemerkt der erfahrene User (aber eben meist nur der), daß solch ein
"Maschinchen" meist nicht den einfachsten Ansprüchen genügt: AND/OR wird nicht vernünftig gehandhabt, ein "Weitersuchen" über das erste
Trefferset der abgefragten Suchdienste hinaus ist nicht möglich usw. Der unerfahrene Sucher wird das alles kaum bemerken, da ja "irgendwas"
an "Treffern" schon herauskommt. Wenn nun solch ein sich "Meta-Suchmaschine" nennendes Progrämmchen für irgend jemanden im Netz
etwas Sinnvolles tut, dann mag es ja noch eine gewisse Berechtigung haben. Auf das Problem der Rechtsverletzung gegenüber den abgefragten
Suchdiensten seitens einer kommerziellen Meta-Suchmaschine will ich dabei gar nicht eingehen, das scheint mir schon hinreichend diskutiert.
Das generelle Problem aller Metasucher ist hingegen dies: Die Metasucher sind für eine Verbesserung/Verbreiterung
der Internet-Suchstrategie zwar außerordentlich hilfreich, aber ohne die orginären Suchmaschinen sind sie nicht lebensfähig. D.h. die Metas dürfen letzteren
durch Ihre Tätigkeit nicht den wirtschaftlichen Lebensnerv abschneiden! Wie die jeweiligen Betreiber einer Meta-Suchmaschine diese Gratwanderung
bewerkstelligen, das ist ihr jeweiliges Problem, für das nach meiner Einschätzung derzeit eine generelle Lösung nicht in Sicht ist.
Wichtig erscheint mir aber noch ein anderer, rein technischer Aspekt: es ist zwar relativ einfach, eine "
irgendwie laufende Meta-Suchmaschine" zu installieren - der kritische (technische) Punkt kommt aber dann, wenn wirklich Last auf die
Maschine kommt. Erst dann zeigt sich die Qualität (oder das Gegenteil) dieser Software. Diese Erfahrung haben auch wir bei MetaGer
nach und nach machen müssen: manche Instabilitäten zeigen sich eben erst bei mehr als 100 parallel laufenden Querries und bei mehr
als 5.000 Abfragen pro Stunde. Und manche Bugs treten nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:10.000 auf. Solange eine Meta-Suchmaschine
weniger als vielleicht 10.000 Anfragen pro Tag hat, ist das alles völlig problemlos.
Aber genau dann, wenn nämlich wirklich Traffic auf die Maschine kommt, werden die inflationären Metas,
die wir momentan beobachten, auch genau so schnell wieder "sterben" und verschwinden. Denn es ist lediglich ein Irrglaube, dass Installation
und Betrieb einer Meta-Suchmaschine relativ einfach sind.
Dr. Wolfgang Sander-Beuermann
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